Ist "Fasten" gesund?

Lecker lecker Wasserfasten!
Lecker lecker Wasserfasten!

 

Was bedeutet Fasten und ab welchem Zeitpunkt fastet man?


Fasten bezeichnet die willentliche Abstinenz von einigen oder allen Nahrungsmitteln, Getränken oder beidem für einen bestimmten Zeitraum.

 

Aus physiologischer Sicht befindet sich der Körper nach der Verdauung und Absorption der Mahlzeit in einem Fastenzustand. Dieser Fastenzustand wird normalerweise nach 8-12 Stunden erreicht. Der genaue Zeitpunkt, ab dem man sich im fastenden Zustand befindet, ist abhängig von der Menge und Nährstoffzusammensetzung der Mahlzeit. Daher haben die meisten Menschen physiologisch gesehen in ihrem Leben schon öfter gefastet als sie gedacht hätten.

Für gewöhnlich beträgt die Länge der Fastenzeit zwischen 8 Stunden und 40 Tagen. Der zeitliche Unterschied ist sichtlich enorm und die Anpassungsprozesse im Körper sind ebenso abhängig vom zeitlichen Rahmen.

Folgen kurze Fastenperioden auf Essensperioden in regelmäßigen Abständen, nennt man dies „periodisches Fasten“. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet man den Begriff Fasten aber eher als eine länger anhaltende Abstinenz von Essen und Trinken.


Historisch betrachtet geht Fasten auf rituelle Praktiken aus verschiedenen Religionen zurück. Die bekannteste religiöse Fastenzeit ist der Ramadan.

Der Ramadan beschreibt den islamischen Fastenmonat, in dem Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder Essen noch Trinken zu sich nehmen. Hierbei erfolgt das Fastenbrechen regelmäßig in der Nacht. Daher ist der Ramadan zum periodischen Fasten zu zählen. Im Judentum, Christentum, Buddhismus und Hinduismus wird ebenso regelmäßig gefastet. Die Länge der Fastenzeit und die Regeln variieren stark.


Selbst in der Politik wird das Fasten bzw. der Hungerstreik praktiziert, jedoch als Waffe, um seiner Meinung Nachdruck zu verleihen. Tragische Berühmtheit erreichte der irische Abgeordnete Bobby Sands, der nach 66 Tagen des Hungerstreiks (mit der Ausnahme von Wasser und Salz) an den Folgen der Unterversorgung starb. Zu lange zu fasten, hat schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen, selbst wenn man nicht verhungert.


Der Körper besitzt ab einem gewissen Zeitpunkt zu wenig Fettreserven und Muskeln, um die benötigte Energie für überlebenswichtige Funktionen herzustellen. Wie lange man maximal fasten kann, ist demnach abhängig von der gespeicherten Energie im Körper in Form von Fett und Muskulatur. Außerdem kann es bei langanhaltenden Fastenperioden zu Unterzuckerungszuständen und Störungen im Mineralstoffhaushalt kommen. Daher sollte man ein längeres Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht durchführen. Ein weiterer negativer Aspekt von längeren Fastenperioden ist, dass Muskulatur abgebaut wird. Das Gehirn benötigt stetig Glukose, die der Körper nach einigen Tagen aus der Muskulatur bezieht. Dazu wird Muskelmasse abgebaut und das körpereigene Eiweiß in Glukose umgewandelt. Da Muskelmasse stoffwechselaktiv ist, sinkt durch den Abbau unter anderem die Stoffwechselrate.

 

DAS ist "echte" Schlacke.
DAS ist "echte" Schlacke.

Entschlacken durch Fasten?


Oft wird beschrieben wie entschlackend bzw. entgiftend Fasten wirkt. Doch was ist Schlacke eigentlich und wird beim Fasten wirklich Gift abgebaut?

 

Aus wissenschaftlicher Sicht existiert keine Schlacke - zumindest nicht im menschlichen Körper - und dementsprechend findet man hierfür keine Definition. In der Naturheilkunde bestehen jedoch mehr Erklärungen zu dem Begriff, auch wenn es keine einheitliche Definition gibt. Oft werden Schlacken als unverwertbare Stoffwechselendprodukte definiert, die sich in Organen, im Binde- und Fettgewebe ablagern und dadurch die angrenzenden Zellen beschädigen oder in ihrer Funktion stören.
Wissenschaftlich belegt ist hingegen, dass aufgenommene Giftstoffe aus Nahrungsmitteln, Medikamenten, Textilien und Baustoffen im Fettgewebe gespeichert werden. Diese gespeicherten Giftstoffe bleiben solange im Körper wie die Fettzellen bestehen. Wird Fett abgebaut gibt die Fettzelle das gelagerte Gift frei und es wird über die körpereigenen Entgiftungsorgane aus dem Körper geschleust. Wichtig zu wissen ist, dass der Körper nur eine begrenzte Menge an Giftstoffen gleichzeitig abbauen kann. Wird zu viel Fett innerhalb kürzester Zeit abgebaut, so steigt auch die Menge an gelöstem Giftstoff im Blut. Da bei radikalen Diäten und beim Fasten ein extremes Kaloriendefizit entsteht, baut der Körper sehr schnell Fett ab, um die fehlende äußere Energie durch körpereigene Energie zu kompensieren. Dadurch werden kurzzeitig viel mehr Giftstoffe in den Blutkreislauf geführt, als der Körper abbauen kann. Diese drastische Erhöhung der Giftstoffkonzentration im Blut kann besonders bei vorgeschädigten Menschen Auslöser von Krankheiten sein.
Daher sollte man langsam und gleichmäßig Gewicht verlieren und dem Körper die benötigte Zeit geben, die gelösten Gifte abzutransportieren. Es empfiehlt sich geringere Kaloriendefizite über einen längeren Zeitraum zu halten und in kleineren Schritten Fett zu verlieren.

 

Außerdem gibt es weitere Giftstoffe, die sich in den Zellen befinden. Das sind zum Beispiel kaputte Zellfragmente. Dieser "Zellmüll" ist für die Funktion der Zelle nicht mehr nützlich, wurde aber noch nicht abtransportiert.

Dies ist aber ein Thema für einen separaten Artikel...

 

BTW - Es wird sogar gesagt, dass Substanzen aus Drogen ebenfalls im Fettgewebe gespeichert sind und beim Abnehmen wieder freigesetzt werden. Wer eine kleine Drogenvergangenheit hat, der könnte also eine lustige Abnehmerfahrung machen...

 

 

Wo Schatten ist, ist auch Licht: die positive Seite des Fastens

 

Obwohl nun einige Kritikpunkte beleuchtet wurden, gibt es auch positive Effekte des Fastens und diese sind beachtlich.

 

Studien haben aufzeigen können, dass Fasten positive Auswirkungen auf den oxidativen Stress, den Körperfettanteil, den Blutdruck, die Zellreparatur, die Blutfettwerte, das Immunsystem sowie den Blutzucker- und Insulinspiegel hat. Das klingt nach einer Lösung für viele Zivilisationskrankheiten, die sich mit der „modernen Ernährungsweise“ eingestellt haben. Es ist auch kein Wunder, dass Fasten sich positiv auf diese Parameter auswirkt, denn Fasten ist nahezu das komplette Gegenteil zum derzeitigen Ernährungsstil – zu viele Kalorien, zu häufiges Essen (hohe Mahlzeitenfrequenz mit vielen Snacks), stark verarbeitete Lebensmittel (viele chemische Zusatzstoffe), zu einseitig (zu kohlenhydratlastig).


Wie schön wäre es, wenn man nun diese positive Wirkung erzielen könnte ohne die negativen Auswirkungen in Kauf nehmen zu müssen? Genau auf diesem Wunsch basiert das periodische Fasten.
Das oben genannte Spektrum der positiven gesundheitlichen Effekte wurde in Studien auch beim periodischen Fasten nachgewiesen, jedoch ohne die beschriebenen negativen Auswirkungen längerer Nährstoffabstinenz in Kauf nehmen zu müssen. Wenn es darum geht, die Gesundheit zu fördern und gleichzeitig die Körperzusammensetzung zu verbessern – Fett abbauen und Muskeln aufbauen – ist periodisches Fasten die beste Lösung. Optimal ist es auch, da es sich problemlos mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und Sport in Einklang bringen lässt.


Mehr zum periodischen Fasten erfahrt ihr im Artikel: Periodisches Fasten.

 

 


Bildquellen:

Bild 1: Eigenes Bild

Bild 2: Tetris L, Wikimedia Commons

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