Soja als (Mast-)Tierfutter - Die Soja-Saga Teil 4

Gestern wurde ich von einem Blog-Leser gefragt wieso Soja so stark in der Masttierfütterung genutzt wird.

Die Frage lautete, dass es erstaunlich ist, dass Soja in großen Mengen in der Tiermast eingesetzt wird, obwohl Soja laut des Artikels Soja-Supps zum Mästen ungeeignet sein sollen.


Erst wollte ich einfach auf den Kommentar antworten, aber ganz so leicht ist es doch nicht.

An sich ist der Einwand sehr gut, doch unterscheiden sich die Soja-Produkte und der Grundgedanke, ob es um kurzfristige oder langfristige Wirkungen geht. Außerdem müssen Tiere keine qualitative Muskelmasse zulegen, sondern einfach an Gewicht.

Deswegen hier ein Artikel zum Thema Mast, Fleisch und Soja.

 

 

Wikimedia Commons - Scott Bauer
Wikimedia Commons - Scott Bauer

Der Grundgedanke der (Rinder-)Mast


In der Mast wird anders gedacht als bei der gesunden Ernährung. Hier ist wichtig, dass die Tiere schnell wachsen. Langfristige gesundheitliche Auswirkungen werden weniger oder gar nicht beachtet. Das ist nur der Fall, wenn es die Rendite beeinträchtigen würde.

Das zeigt sich auch an den Haltungsbedigungen sowie an anderen Futtermitteln (z.B. kommt es in der Schweinemast vor, das Reste aus der Süßigkeitenproduktion verfüttert werden – nicht gesund oder artgerecht, die Tiere werden krankheitsanfälliger, aber wunderbar für schnellen Wachstum - funktioniert bei Menschen übrigens genau so gut ;-) ).

 

Außerdem werden Studien zur Masttiergesundheit erst seit wenigen Jahren durchgeführt. Und diese Studien befassen sich weniger mit der langfristigen Futterwirkung als mit der Haltung und den sofortigen, direkten Auswirkungen von Futtermitteln.

Möchte man Studien dazu haben, findet man eher etwas, wenn man nach den Auswirkungen der tierischen Produkte auf die menschliche Gesundheit sucht.

 

 

Was Kraftfutter ausmacht

 

In der Mast ist ein Futtermittel einfach so viel Wert, wie es Energie in Relation zu den Einkaufskosten enthält. Das Tier wird an „Leistungsmerkmalen“ wie Futteraufnahme, tägliche Zunahme und Schlachtgewicht gemessen.

 

Und Soja ist eine billige Alternative, die (zumindest dem Preis-Leistung-Verhältnis und Anbau-Aufwand nach) relativ viel Protein enthält. Auf die langfristige Gesundheit wird weniger geachtet, da das Schlachtgewicht nach maximal 20 Monaten (meist schneller) erreicht ist .

„Bei Verfütterung hoher Maisanteile ist eine Ergänzung mit eiweißreichem Futter wie Soja […] notwendig“(1). Denn ansonsten wäre das Futter nicht Ideal für ein schnelles Wachstum zusammengesetzt. Es geht dabei - wie erwähnt - nicht darum, dass magere Masse aufgebaut werden soll. Das Eiweiß wird einfach benötigt, da der Rest des Kraftfutters davon nicht genug enthält und die Masttiere nicht schnell genug zulegen würden. Eiweiß ist schlichtweg essentieller Bestandteil von Zellen, ohne das kein Zellwachstum stattfinden kann.

 

 

Viele Muskelaufbaupräparaten enthalten Soja. Sie sind eiweißreich und vor allem günstig.

Nur leider können viele Hersteller eine korrekte Hitzebehandlung oder Mikrofiltration (durch welche der Proteinverdauungshemmer-Gehalt reduziert wird) nicht garantieren.

Zusätzlich hat Soja hat so einige gesundheitliche Nachteile.

 

 

Gefüttert wird nicht nur "einfaches" Soja

 

Masttiere werden meist mit einer Mischung aus SES (Sojaextrationsschrot), Getreide, Mais und zusäzlichen Mineral- und Vitaminpräparaten gefüttert.

SES ist ein Abfallprodukt in der Sojaölherstellung und es wird, um alle Proteinverdauungshemmer (Thrypsin-Inhibitoren) zu zerstören, extrem heiß gepresst oder „getoastet“.

Ausgereift ist das Verfahren aber nur in der SES-Herstellung von Soja-Großversorgern. So wenige Proteinverdauungshemmer wie in SES für die Mast sind meiner Erkenntnis nach nicht in Soja-Supps. Hersteller sind nicht dazu bereit hierzu Auskunft zu geben und sagen, dass man ihnen vertrauen soll... Hier liegt ein großer Unterschied zwischen dem "Soja-Eiweiß-Tier-Futter" und dem "Soja-Eiweiß-Menschen-Futter" vor.

 

Durch die große Hitze ist SES noch eine Eiweißquelle, aber so ziemlich frei von allen anderen Mineralstoffen oder Vitaminen (ähnliches habe ich schon im Artikel zu den Soja-Supps erklärt).

Aus diesem Grund wird SES in der Rindermast meist nur als eiweißreiches Zufutter -keinesfalls als Alleinfuttermittel - genutzt. Als Hauptfutter genügt es den größeren Masttieren nicht. In der Geflügelmast wird es als Beifutter zum Fischmehl genutzt und in der Schweinemast wird SES als Lysinquelle zugefüttert.

(Nach meinen Informationen neigen Schweine in der Massentierhaltung stark zu "Depressionen", Lysin soll den Tieren dagegen helfen...)

 

Artgerecht ist das Ganze keinesfalls, langfristig gesund ist es auch nicht wirklich.

 

Mit noch einem Problem bei der Kraftfutter-Fütterung (Kraftfutter besteht aus Mais, Getreide und Soja) befasst sich die Theorie der Biomassen-Übertragung. Denn Rinder, die viele Allergene und unbekömmliche Stoffe für den Menschen mit der Nahrung aufnehmen, haben Fleisch, welches auch für den Menschen nicht gut verträglich ist. Gluten aus dem Getreide oder Phytinsäure aus dem Soja wird nach dieser Theorie in der Nahrungskette weitergegeben.

Auch Hormone (z.B. Stresshormone wegen zu enger Haltung), Antibiotika und Co werden (in kleinen Mengen) durch die Nahrungskette weitergegeben.

Das mit den hohen Dosen Antibiotika kennen wir alle aus Skandalen mit resistenten Keimen im Hühnerfleisch und im Rinderfleisch.

 

 

Geht es auch besser?

 

Wird auf eine artgerechte Rinderhaltung und -ernährung geachtet, wird kaum bis kein Soja verfüttert. Zum einen auf Grund der starken Genveränderung des Sojas, zum anderen auf Grund der gesundheitlichen Langzeitwirkungen auf Tier und Mensch. Außerdem muss Soja - da es dem Boden viel abverlangt - stark und intensiv gedüngt werden, was nicht sehr umweltfreundlich ist.


In Deutschland sieht die Reglung so aus:

EU-Bio darf in begrenzter Menge Eiweißfutter (wie Soja) zufüttern, Bioland (und ähnliche) Bauern dürfen das nicht.

Wer wissen will, was gefüttert wird, kann das in den Richtlinien der verschiedenen Hof-Arten nachlesen.

 

 

Gesünderes und besseres Fleisch ohne Soja und Kraftfutter

 

Es gibt inzwischen einige Studien, die belegen, dass von Rindern ohne Soja-Zufütterung für den Menschen gesünderes Fleisch und gesündere Milch stammen. Denn diese tierischen Produkte enthalten mehr Omega-3-Fettsäuren. (2)

 

Denn bei der Fettbiosynthese beim Rind wird auf den Nähstoffpool im Blut zurückgegriffen. Die Nährstoffe im Blut entsprechen den Mengen an Fettsäuren, die das Rind im Dünndarm resorbiert – daher kann der Omega-Fettsäuren-Gehalt in Milch und im Fleisch durch die Fütterung manipuliert werden. Bei Fütterung mit Gras liefern Milch (3) und Fleisch (4) einen doppelt so hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wie bei der Fütterung mit Kraftfutter. 

 

Omega-3 ist wichtig für die menschliche Gesundheit. Insbesondere das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren spielt eine große Rolle, wenn es um die Vermeidung einiger Volkskrankheiten, wie z.B. Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Depressionen und vielen weiteren geht.

Weniger Soja im Mastfutter hat eine bessere Omega-3- zu Omega-6-Zusammensetzung zur Folge.

 

Ein sehr hoher Omega-6-Gehalt ist in Rindfleisch von Rindern mit Soja-Zufutter.

Daraus resultieren übrigens unter anderem auch die Studien darüber, dass rotes Fleisch ungesund ist. Wobei ich hier klar sagen muss, dass diese Korelationsstudien nichts aussagen können, da kein kausaler Zusammenhang hergestellt wird.

Fleisch aus gesunder Haltung ist reich an Vitaminen, hat eine gute Omega-3- u Omega-6-Balance, enthält gut verwertbares Eiweiß und ist durchweg als gesund einzustufen.

 

 

Résumé

 

Soja ist schlecht für Tiere, weil es nicht artgerecht ist. Ob es langfristig für verschiedene Tiere gesund ist, wurde ungenügend erforscht. Ich denke, eher nicht.

Für den Menschen, der Milch oder Fleisch von Soja-gefütterten Rindern (und anderen Masttieren) zu sich nimmt, ist das Soja-Mast-Futter ungesund.

Soja ist also in der Mast nichts anderes als eine billige Alternative, die die Tiere schnell wachsen lässt - dabei wird weniger auf gesundheitlichen Konsequenzen für Tier und Mensch geachtet.

 

 

Ich empfehle Weiderind aus artgerechter Haltung zu essen.

Vor einigen Jahren habe ich einen Hof in der Nähe gefunden, der noch ganz natürlich auf der Weide eine Gruppe Rinder hält. Die Tiere essen ganzjährig Gras und Heu. 

Natürlich findest du so einen Hof nicht direkt um die Ecke, aber manchmal lohnt sich Aufwand.

 

 

  

Soja hat seine Vor- und Nachteile. Da ich denke, dass es aber nichts ausmacht auf Soja zu verzichten und da nachweislich Nachteile bestehen, verzichte ich lieber darauf. Mir ist die Nachteile-zu-Vorteile-Rate einfach zu groß ;-)

 

Wenn ihr mal einen großen Appetiet auf einen Soja-Puddig bekommt, dann esst ihn, aber lasst das nicht zur Regel werden.

Ab und zu Soja ist ok (mit kleinen Mengen „Gift“ kann unser Körper in der Regel gut umgehen, nur bei Krankheiten sollte man es sich überlegen), regelmäßig Soja lieber nicht und Soja in der Mast ist ebenfalls bedenklich.

 

 

Ich hoffe, es war aufschlussreich.

 

Viele Grüße

Christopher


(1) http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/wissen/Biotiere/biotier-rind_02-10-06.pdf

 

(2) http://www.heumilch.at/fileadmin/editors/download/Zusammenfassung_Projekt

_Fettsaeurenstudie.pdf

 

(3) http://www.region-aktiv-chiemgau-inn-salzach.de/sites/default/files/doc/

fettsaurezusammensetzung.pdf;

 

(4) http://www.biopress.de/Mambo/index.php?option=com_content&task=view&id

=360&Itemid=0 )

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Anton Groß (Sonntag, 20 Oktober 2013 15:11)

    Soja ist für Tier und Mensch gesund und lecker :D

  • #2

    Jessannah (Sonntag, 15 Juni 2014 16:59)

    Danke für deinen Beitrag. Wir machen gerade ein Referat über Soja und er hat uns dabei sehr geholfen.
    LG
    Jessannah <3

  • #3

    Ki (Freitag, 26 September 2014 22:45)

    Sehr interessanter Beitrag. Das Gute an der Weidefütterng ist auch, dass die Tiere von sich aus giftige Pflanzen aus dem Speiseplan streichen. Getrocknetes Heu, das bei der Stall-Haltung verfüttert wird, enthält diese giftigen Pflanzen, deren Bitterstoffe beim Trocknen verloren gehen und deswegen von den Tieren gefressen werden. Ein momentan häufiger diskutiertes Beispiel ist hier das Jakobskreuzkraut, dass über die Milch in die Nahrungskette gelangt und beim Menschen erhöhte Leberwerte hervorruft.
    Wer da im Internet recherchiert wird schnell fündig – sehr interessantes Thema.